Lokale Regulierung beeinflusst den globalen Datenaustausch

Verbindungsarrangements zwischen Netzbetreibern sind zwar nicht global reguliert, doch einzelstaatliche Regelungen wie zu Wettbewerbsrecht, technischen und organisatorischen Standards beeinflussen den weltweiten Datenaustausch zum Teil negativ. Eine Umfrage von Uta Meier-Hahn vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) unter 163 NetzwerkspezialistInnen aus 28 Nationen macht das deutlich. NetzwerkspezialistInnen wehren sich demnach vor allem gegen die Vorgabe technischer Standards durch staatliche Regulierungsbehörden.

Das globale Internet besteht nicht aus einem Netz, sondern aus mehr als 50 000 Netzwerken, die teilweise von privaten, teilweise von öffentlichen Providern betrieben werden. Damit weltweit reibungslos Datenströme über diese Netze fließen können, müssen sie miteinander verbunden sein (IP interconnection) und Daten der jeweils anderen Netze durchleiten. Mit dem Internet Protokoll (IP) ist die technische Grundlage für den weltweiten Datenfluss zwar gegeben, aber die Betreiber dieser Netze unterliegen nationalen Gesetzen. Damit gelten für sie zum Teil unterschiedliche Regeln wirtschaftlicher, technischer oder politischer Natur.

Inwieweit diese unterschiedlichen Regularien die globale Internet-Konnektivität beeinflussen und sich eventuell negativ auf sie auswirken, untersucht die Studie „Exploring the Regulatory Conditions of Internet Interconnection – A Survey Among Internet Interconnection Professionals« des Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG). „Wir müssen den Einfluss lokaler Regularien auf weltweite Verbindungsarrangements sicher weiter untersuchen, um die Effekte besser zu verstehen. Aber schon durch diese erste Studie wird deutlich, dass lokale Regeln die globale Internet-Konnektivität beeinflussen und mitunter den Austausch von IP-Verkehr erschweren können«, erklärt Studienautorin Uta Meier-Hahn.

Zehn Regulierungsmaßnahmen abgefragt

Sie befragte in einer nicht repräsentativen Online-Umfrage 163 Netzwerk-SpezialistInnen (vor allem Netzwerk-IngenieurInnen und -ArchitektInnen) aus 28 Ländern unter anderem von Internetzugangsanbietern, Content- oder Transit-Netzwerken, welche von zehn vorgegebenen Regulierungsmaßnahmen sie erlebt haben und wie stark diese Maßnahmen ihrer Meinung nach die Verbindungsarrangements der von ihnen betreuten Netze beeinflussen.

NetzwerkexpertInnen wehren sich gegen Vorgabe von Standards

Am stärksten beeinflusst wird die Internet-Konnektivität den Befragten zufolge durch:

  • Wettbewerbsrecht,
  • die Vorgabe technischer und operationaler Standards durch die Regulierungsbehörde sowie
  • durch den obligatorischen Datenaustausch an bestimmten Punkten.

Vor allem gegen die Vorgabe technischer und operationaler Standards wehren sich die Netzwerk-ExpertInnen. Den Behörden fehle es an technischer Kompetenz und Legitimation für das Setzen technischer Standards. Die Praxis der Kooptierung, bei der Behörden Verbindungsarrangements regulieren, um politische Ziele jenseits des eigentlichen Netzbetriebs zu verfolgen, stört die ExpertInnen ebenfalls. Einige Netzwerkbetreiber lehnen die Vorgabe technischer Standards so stark ab, dass sie sich entweder weigern in solchen Ländern zu operieren oder sie unterlaufen entsprechende Regelungen.

„Die Internetforschung thematisiert die Verbindungsarrangements zwischen Netzbetreibern als Form von Internet Governance und konzentrierte sich bislang hauptsächlich auf Maßnahmen der Selbstregulierung. Die vorliegende Umfrage zeigt nun, dass und wie Netzbetreiber mehr und mehr zu Adressaten staatlicher Steuerungsabsichten werden,« kommentiert Prof. Jeanette Hofmann, Direktorin des Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, die Ergebnisse.

Autorin Meier-Hahn erklärt: „Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass internet interconnection keineswegs ein unreguliertes Feld ist. Allerdings müssen wir die Komplexität von Verbindungsarrangements anerkennen. Manche Regulierer greifen stark in die Internet-Konnektivität ihres Landes ein, häufig aber sind nur einzelne Aspekte vorgegeben. Deshalb wäre es zu einfach, IP interconnection und lokale Regulierung als inkompatibel zu bezeichnen. Aber allen Beteiligten sollte klar sein: Die Abwesenheit öffentlicher Regulierung mancherorts bedeutet nicht, dass es keine Regeln für den Datenaustausch gibt – nur sind diese informeller Natur.«

Download der Studie
Meier-Hahn, Uta, Exploring the Regulatory Conditions of Internet Interconnection – a Survey Among Internet Interconnection Professionals (March 1, 2016). HIIG Discussion Paper Series No. 2016-03. Available at SSRN: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2740312

Die der Studie zu Grunde liegenden Daten sind unter der CC-BY 4.0 Lizenz verwendbar und verfügbar unter http://dx.doi.org/10.7802/1198.

Über das HIIG
Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) erforscht die dynamische Beziehung zwischen Internet und Gesellschaft. Eine zunehmende Bedeutung gewinnt die Herausbildung digitaler Infrastrukturen und ihre Verflechtung mit verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis des Zusammenspiels zwischen sozio-kulturellen, rechtlichen, ökonomischen und technischen Normen im Digitalisierungsprozess zu erlangen.

Kontakt
Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft
Französische Straße 9 | 10117 Berlin | +49 30 2007 6082
Autorin: Uta Meier-Hahn | uta.meier-hahn|a|hiig.de
Pressekontakt: Jana Schudrowitz | jana.schudrowitz|a|hiig.de

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